Stardragon

Menschen, die Spuren hinterlassen.

Will the death of a beloved person matter 20 years from now? Yes, because those who you love leave traces within you.

Heute (Dienstag, 21.07.2009) habe ich um 18.56 Uhr einen Anruf erhalten. Es ist einer dieser Anrufe, wo man nach den ersten Worten weiß, worum es geht und einer dieser Anrufe, bei denen man sich wünscht, dass man sie nie in jungen Jahren erhalten muss.

“Sitzt du gerade oder kannst du dich hinsetzen?” – Das sind die Worte, die nie etwas Gutes ankündigen.

Und so habe ich mich gesetzt. Man ist in dieser kurzen Phase, in der man sich hinsetzt immer noch in der Hoffnung, dass es doch um etwas anderes geht. Meine Hoffnung war vergebens – wie erwartet.

Jemand ist gestorben. Und obwohl mir Sarah (S.) den Namen gesagt hat und auch, wo und wie ich die Person kennengelernt habe, hat bei mir nichts geläutet. Ich hab es nicht so mit Namen. Aber ich vergeße selten das Bild einer Person. Aber als sie mir sagte “Manche kannten sie auch als Gimli”, da fiel bei mir der Groschen. “Stardragon?”

Letzten Freitag hatte sie eine Lungenembolie. Diesen Freitag ist die Beisetzung. Ich war lange nicht in Nürnberg und es ist schade, dass so ein Ereignis ein Wiedersehen mit alten Freunden herbeiführt.

Ich habe Stardragon das letzte Mal auf der Geburtstagsfeier von Yammi gesehen. Und das ist schon Jahre her. Erst kürzlich habe ich an sie gedacht. Vielleicht war es sogar letzten Freitag? Sie hat mich ab und zu in Animexx angeschrieben und wir haben ein paar freundliche Worte gewechselt.

In ihrer Selbstbeschreibung stand “klein, fröhlich und immer am Singen”. Konnte man sie treffender beschreiben? Sie war keine große Person, wenn man ihre Körpergröße anschaut, aber eine herzliche Person. Sie war einfach liebenswert. Und sie wurde 22 Jahre. Den Schmerz, den die Eltern eines so jungen Mädchens erfahren, wünscht man niemandem.

Wer sein Leben auf der Schattenseite verbracht hat, wird von dem Licht, das man bei seinem Tode sieht, schmerzlich geblendet. Doch Menschen, die in Liebe und Glück gelebt haben, erleben einen glücklichen Tod. Sie erfahren keine Schmerzen und können in Frieden gehen.

Ich weiß bis heute nicht ihren richtigen Namen und bei dem Anruf habe ich ihn mir auch nicht gemerkt. Aber Stardragons Leben hatte nichts, was einem sanften und gütigem Hinübergleiten im Wege steht.

Obwohl es nach dem Tod nicht zu Ende ist und weitergeht und der Tod nur ein natürlicher Bestandteil des Lebens ist, sind doch unsere Gefühle für die Verstorbenen und der Schmerz, den wir empfinden das, was uns die Gemeinschaft und die schönen Dinge wieder zu schätzen lernen lässt.

Während ich noch am Telefon gefasst war, hat sich in der Zwischenzeit die Tatsache ihres Ablebens auch bei mir gesetzt. Immer, wenn einer meiner Freunde stirbt, stelle ich mir die Frage: “Warum nicht ich?”. Ich habe meinen Frieden mit den Menschen gemacht, ich habe für mein Ableben so gut wie möglich vorgesorgt und arbeite nur jeden Tag daran, meinen Eltern und meinem Umfeld und der Gemeinschaft soviel wie möglich zurückzugeben. Ich kann gehen. Wenn ich die Möglichkeit hätte, würde ich ohne zu Zögern tauschen. Nicht, weil mein Leben nichts wert ist oder ich keinen Hang dazu habe. Sondern weil ich sicher bin, dass diejenigen die gehen, noch soviel beizutragen und noch soviel zu geben hatten. Ich habe auch noch viel zu geben und vielleicht ist deshalb meine Zeit noch nicht gekommen, aber wenn ich könnte, würde ich meine verbleibende Zeit jemand anderem schenken, der gehen muss.

Egal, wieviel wir über das Leben und den Tod wissen und egal, wieviel ich über die Schönheit danach und das weitere Leben danach weiß; egal, was ich weiß, was danach passiert und unser Tod nicht so schlimm oder (für uns) schmerzhaft ist, wie wir uns Sorgen deswegen machen. Niemand ist immun gegen die Gefühle, die in uns aufkommen, wenn wir mit dem Ableben einer lieben Person konfrontiert werden.

Ich habe mir vorgestellt, wie schlimm es auch für das Personal im Krankenhaus sein muss oder die Bettnachbarn, vor allem ältere, wenn so ein junges Mädchen stirbt und vom Krankenhaus abgeholt und überführt wird. Und man stellt sich die Frage, warum so ein junges Mädchen sterben muss und man selbst verschont bleibt?

Dies ist dir gewidmet, Stardragon. Ich bin dankbar, dich gekannt zu haben.

Mögest du uns ein Beispiel sein und die Bereicherung, die du uns allen geschenkt hast, Früchte tragen, damit dein Wirken und Sterben nicht umsonst war und du Glück in einem neuen Leben findest.

Trauer kann man nicht in Worte fassen.

Edit: Andrea B. 12.10.86 – 19.07.09

Es ist schon erstaunlich, wie viele Menschen bei der Trauerfeier und auf der Beerdigung waren. Viele Gesichter, mit denen ich nicht gerechnet habe und viele fehlten, von denen ich dachte dass sie anwesend wären. Es ist schade, gute Freunde unter diesen Umständen wiederzutreffen. Und es ist traurig, eine liebe Freundin in der Erde verschwinden zu sehen. Beerdigungen sind erstaunlich – was sie mit einem und den Anwesenden machen. Ich werde mich an dieses Ereignis erinnern.

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