Wie der ein oder andere vielleicht weiß, schreibe ich ab und zu Artikel für die Zeitschrift “Health & Study“, die von Studenten des Studiengangs Integrative Gesundheitsförderung an der Hochschule Coburg herausgegeben wird.
Auf der Suche nach Themen hatte ich so viele Ideen (die ich auch nach und nach in Artikel verpacken werde): Guarana -die sanfte Alternative zu Kaffee, Probiotischer Joghurt selbst gemacht, Was geht wirklich mit Hypnose, Roh- und Vitalkost, gehirn-gerechte Lernmethoden und Schmauen.
Wie kam ich auf’s Schmauen? Vor einiger Zeit war in unserer lokalen Tageszeitung ein Artikel über Jürgen Schilling und sein “Schmauen”. Auf dem Foto trug er ein T-Shirt mit der Aufschrift “Let’s Kau Together” und dieses Schmauen sollte eine völlig neuartige oder andersartige Methode des Essens sein; kein Schlingen, kein langsames Essen oder Kauen sondern eine Kombination aus “Schmecken” und “Kauen”. Und durch diese Art zu essen soll man die Nahrung vollständig verwerten können, es soll eine geniale Gesundheitsvorsorge sein und dazu noch Geldbeutel schonend und Zeit einsparend.Zuerst dachte ich mir natürlich “Ja klar, was kann da schon dahinterstecken” und legte den Artikel beiseite, hob ihn mir aber auf, damit ich später doch eventuell mal mit diesem Schilling in Kontakt treten kann.
Jetzt war die Zeit reif. Ich dachte mir “schreibst halt mal eine Buchbesprechung über sein Schmauen-Buch” und schrieb Jürgen Schilling über seine Webseite schmauen.de an und fragte nach einem Rezensionsexemplar. Herr Schilling antwortete auch und war hocherfreut und auch gerne bereit, mir ein Exemplar zukommen zu lassen. Wie so üblich möchte der Verlag natürlich vom gedruckten Heft in dem der Artikel erscheint Exemplare haben. Soweit zur Vorgeschichte. Jetzt zum Buch und den Inhalten.
Zunächst einmal: Jürgen Schilling hat mir sehr viel Information und Hilfe auf Fragen per E-Mail gegeben. Er hat sich wirklich Zeit und Einsatz genommen, um mir auch zusätzliche Quellen anzugeben und ist trotz seines Schauspielberufes ein Mensch zum Anfassen. Stets freundlich und aufgeschlossen hat er mir geholfen, ohne mich in meiner Arbeit beeinflussen zu wollen. Dann sch(m)auen wir jetzt mal ins Buch.
Jürgen Schilling erzählt in “Kau dich gesund!” nicht nur die Methode des “Schmauens” sondern auch seinen Weg zur (Wieder-)Entdeckung dieser Methode. Von chronischen Schmerzen geplagt und auf einer Odyssee durch die Wartezimmer der Republik konnte kein Arzt eine Erklärung für sein Leiden finden. Immer wieder vertröstet, dass er als Schauspieler eben einen sensiblen Magen entwickelt habe, kam Jürgen Schilling auf den Hund; ein Schlüsselerlebnis mit “Lola” sollte ihm den Weg zeigen, wie man nicht nur mit Freude ißt, sondern vor allem wie man sich “gesund ißt”.
Lola lieferte Jürgen Schilling einen Ansatz, eine Idee, die er nach einiger Zeit ausprobierte mit für ihn erstaunlichen Ergebnissen: allein beim ersten Versuch hörten seine Oberbauchbeschwerden auf. Und kamen wieder, wenn er wieder ‘normal’ aß. Angspornt durch dieses erste Ergebnis konnte er sich nicht nur dauerhaft von seinen Leiden befreien, nein, er entwickelte auch noch eine völlig neue Eßkultur und perfektionierte sein System, dass er aus guten Gründen “Schmauen” nannte.
Nun, was genau ist jetzt dieses Schmauen und was tut es für den Anwender?
Schmauen ist genußvolles Essen. Als Wortneubildung aus “schmecken” und “kauen” beschreibt dieses Wort treffend, worum es geht. Den wahren Geschmack der Speise erleben, das Meiste vom Essen bekommen, nicht gierig sondern genußvolles Essen, die vollständige Aufspaltung und Verwertung der Mahlzeit und seinem Körper etwas Gutes tun.
Man könnte sagen, “Schmauen” ist einfach nur richtiges Kauen. Wobei man die Worte “einfach nur richtiges Kauen” in Anführungszeichen setzen muss, denn ganz so leicht ist es nicht. D.h. es ist schon so leicht, aber wer glaubt, richtiges Kauen beinhaltet einfach nur den Bissen 30 oder 50x zu kauen oder schnelles Essen zu vermeiden oder einen der vielen Tricks von Ernährungsexperten mit anzuwenden sei ausreichend liegt leider aber unweigerlich daneben.
Die “Methode Schilling” zu beschreiben ist nicht schwer, aber wer den genußvollen Prozeß nicht von Anfang an er-LEBT hat, der kann kaum wirklich die Begeisterung und die Ergebnisse erfühlen, die man als aktiver Anwender wirklich bekommt. Dazu ist es notwendig, das Buch tatsächlich in die Hand zu nehmen und zu lesen und zu handeln.
Ich werde an dieser Stelle nicht die genaue Methode des Schmauens beschreiben, wohl aber einige der positiven Effekte kurz erwähnen. Schmauen ist ein Sporttraining, Schmauen lässt besser Aussehen und verhilft zu höherer Intelligenz, zu besserer Immunabwehr und gesteigerter Sexualkraft und Selbstheilungskräften. Es ist Lust, Geldersparnis, Nichtraucher werden ohne Qual, Predigten oder Zwang und vor allen Dingen: Schmauen ist eine Diät, die ewig hält.
Selbst kohlehydratbetonte Mahlzeiten führen bei genußvollem Schmauen zu keinem oder nur noch einem minimalen Blutzuckeranstieg, wie eine aktuelle Diabetes-Insulin-Studie beweist. (Priv.-Doz. Dr. med. habil. Wilfried P. Bieger) Das heißt also, dass selbst Süßes nicht mehr dick und krank macht, wenn man schmaut!
Kein Wunder wird die ‘Neuentdeckung’ von Jürgen Schilling von Zahn- und Hautärzten, Heilpraktikern, Psychotherapeuten und sogar der Stiftung Warentest empfohlen und brachte ihm den Vergleich als “moderner Sebastian Kneipp” ein. Verdientermaßen.
Meine eigene Erfahrung mit dem Schmauen ist wie folgt:
1. Tag: Ich probiere das Schmauen direkt einmal aus und bin erstaunt, wie einfach es funktioniert, wieviel ich von meinem Essen wirklich schmecke (und mal ehrlich: wir essen doch alle wegen des Geschmacks und jetzt hatte ich ihn viel länger als je zuvor) und ich esse ein Viertel weniger als sonst! Na holla die Waldfee, was für ein Einstieg.
2. Tag: Ich weiß noch nicht, wie ich Windbeutel schmauen soll und wie das bei Nahrung funktionieren soll, die man nicht kaut. Für den Augenblick versuche ich es einmal (die Lösung dazu kommt später im Buch) so gut ich kann und es klappt so irgendwie. Bei normalen Mahlzeiten klappt das bewußte Schmauen auch heute ganz gut.
7. Tag: Den Tag soweit ganz gut überstanden bin ich beim Abendessen: ich schiebe zwei Scheiben Toastbrot in den Toaster und als sie fertig sind kommen sofort die nächsten zwei Scheiben hinein. Ich lege mir Wurst auf das fertige Toastbrot und beiße schnell hinein. Nach dem ersten Bissen fällt mir auf, dass ich in meinem üblichen Muster bin (#1 Gewohnheitsfalle); gewohnheitsmäßig habe ich schon das nächste Brot vorbereitet und schlinge gerade eher als dass ich schmaue. Während ich den zweiten Bissen jetzt wieder ‘richtig’ zu mir nehme, merke ich erstmal den echten Geschmack von Toastbrot und Wurst. Ich entscheide mich, meinen Toastbrot und Wurstkonsum einzuschränken.
Nach meinen ersten guten Ergebnissen steigt auch meine Mutter ins Schmauen ein.
9. Tag: Ich fahre nachmittags kurz zum Einkauf und hatte mittag nicht viel gegessen. Ein Stand für Coburger Bratwürste (hier im Landkreis Bamberg) lockt mich an. Ich lasse mir eine geben und beiße herzhaft hinein. Ehe ich mich versehe ist der erste Bissen geschluckt. Moment mal: gefährliche Situation #2, unterwegs essen. Auch hier wird mir nach dem ersten Bissen mein Verhalten bewußt und der Rest des Brötchens wird ordentlich geschmaut. Was einem alles für Fallen über den Weg laufen.
16. Tag: Ich bin in Würzburg und treffe mich mit einer Freundin. Nachdem ich schon vormittags losgefahren bin und sich die Mittagszeit nähert und wir eh im Außenbereich eines Lokals sitzen, bestelle ich mir ein Schnitzel. Da ich zwei Bestecke möchte, denkt man in der Küche (bzw. die Bedienung – an dieser Stelle: gut mitgedacht, großes Lob), wir wären ein Paar und schneidet das Schnitzel in Herzform. Echt toll, nur leider bin ich mit dieser Frau nicht zusammen. Während sie nur einige wenige Bissen zu sich nimmt, sehe ich mich ‘genötigt’, einigermaßen schnell zu essen, damit es nicht zu lange dauert. Dabei esse ich schneller als gut für mich wäre. Ich habe zwar trotzdem nicht die Energielöcher wie früher manchmal nach einer Mahlzeit nach zu schnellem Essen, aber ich hätte noch wesentlich besser und länger schmauen können. Gefahr #3, die Ausgehfalle. Oder die Auswärts-Essen-Falle. Auch hier muss ich noch üben und darf mich nicht beeinflussen lassen.
21. Tag: Abendessen. Ich esse lustigerweise dasselbe wie am Abend des ersten Tages. Normalerweise hätte ich für meine Mahlzeit 20 Minuten gebraucht (weil ordentliche Portion). Jetzt aber mit dem Schmauen verbringe ich volle 90 Minuten mit dem Essen. Ohne dass es mir lange oder lästig erschien oder das Essen kalt wurde oder sonst irgendetwas wäre, was einem die Lust vermiesen könnte. Einfach nur Spaß gehabt beim Essen, nebenbei in Ruhe Comedy angeschaut und eine gute Zeit gehabt. Die Portion hat mich dabei in keinster Weise belastet, kein Völlgefühl, kein Energieloch oder sonstige negative Begleiterscheinungen.
54. Tag: Ich bin wieder einmal in Würzburg, weil ein guter Freund ein Abschiedsessen gibt. Er fährt für einige Monate nach China und lädt uns deshalb alle ins Schnitzel-Häusle ein. Ich nehme die Standardportion mit 200 gr Schnitzel. Ich wollte zuerst die 400 gr Version nehmen (und es gibt noch weitaus größere Teller!) aber ein Freund rät mir, dass die normale Portionsgröße auch schon ausreicht. Ich bestelle allerdings die Variante Hähnchenschnitzel statt Schwein. Und was soll ich sagen: als der Teller kam, hatte er recht: da lagen drei Schnitzel auf dem Teller, die Portionsgröße reicht völlig! Meine Freunde fangen alle an zu essen und eine liebe Freundin ist als erstes mit dem Essen fertig. Fast so als hätten wir einen Wettbewerb. Und kurz danach sagt sie auch, dass sie sich voll fühlt und gerade total müde wird. Die anderen essen langsamer. Ich brauche am längsten, habe aber meine Portion in Ruhe gegessen, richtig viel Genuß dabei gehabt, noch einige Reste meiner Freunde mit aufgegessen und fühle mich weder überfüllt, noch energielos oder sonstwie unwohl. Mir geht es gut. Ich bin mehr als satt, aber ohne drückende Begleiterscheinungen oder Unwohlsein. Ich hätte sicherlich noch etwas besser schmauen können, aber ich bin sehr zufrieden. Ganz nebenbei interessiert sich auch einer meiner Sitznachbarn für das, was ich da tue.
Zusammenfassend kann ich sagen: ich bin vom Kauer zum Schmauer geworden. Manchmal in der Anfangszeit wünscht man sich zum ‘alten’ Verhalten zurück, weil man um die Methode zu erlernen schon etwas länger braucht als üblich. Aber mit der Zeit wird man schneller und besser und vor allem kann das Essen (und auch das Trinken) richtig genießen. Auch die erwähnten Windbeutel oder andere leicht zu schluckende Nahrung kann man mit der Zeit mit richtig viel Genuß zu sich nehmen. Ich bin jetzt Dauerschmauer, allein schon weil ich weiß und fühle, welchen Unterschied ‘richtiges Kauen’ bringt.
Vom “mal sehen, was hinter dieser Methode so steckt” zum begeisterten Schmauer; nicht weil ich es mir wegen der Buchbesprechung angewöhnt habe, sondern weil ich während des Testens die Vorteile dieses verschüttenten Talents “Schmauen” wiederentdeckt habe. Wir alle sind von Natur aus Schmauer, wenn man es uns nicht systematisch abtrainiert hätte. Also: back to the roots – Schmauen macht Appetit auf mehr.
PS: Meine Schwägerin hat ebenfalls damit angefangen. Innerhalb von 3 Wochen hat sie 3 Kilo abgenommen, obwohl sie in dieser Zeit wieder Eis und Schokolade gegessen hat, was vorher einige Zeit nicht der Fall war. Auch jetzt ist sie immer noch sehr glücklich mit den Ergebnissen, schmaut weiter und hat ihre Schwester auch schon angesteckt. Sind wir nicht alle ein bißchen Schmauer?
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