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Erste Nachmusterung Teil 2

In der Zwischenzeit erhielt ich darüber hinaus noch den Bescheid vom KWEA auf eine Gebiets-(Fach-)Ärztliche Zusatzuntersuchung, in der mich das KWEA an den Nachfolger meines Arztes verwies, bei dem ich als 13jähriger meine Röntgenbilder hatte machen lassen und von dem sie einen Befund erwarteten, der sie in meinem Tauglichkeitsgrad bestätigen sollte. Man hatte sogar schon einen Termin für mich ausgemacht, am 09.01.01 um 9:45 Uhr. Tja, was blieb mir also anderes übrig, als den Arzt aufzusuchen und mich untersuchen zu lassen.

So saß ich also am besagten Tag bei besagtem Arzt im Wartezimmer. Das trägt seinen Namen zu Recht. Denn ich konnte bis 11:15 Uhr die Zeit totschlagen bis ich endlich mal an die Reihe kam. Das sind doch keine Zustände. Nicht nur, dass ich einen Termin habe(!), sondern auch, dass es so lange dauert, obwohl ich schon eine Dreiviertelstunde nach Praxisöffnung dort war und immer noch nicht an die Reihe kam, war für mich mehr als nervenaufreibend. Insbesondere, da die Untersuchung an sich relativ kurz war. Mein Rücken wurde begutachtet, die Beinstellung überprüft und ich bekam eine Überweisung zum Einlagenmacher. Diese hatte allerdings mit der Bundeswehr nichts zu tun. Hatte den Vorteil, dass ich mir mal wieder Einlagen für meine Schuhe machen lassen konnte auf Kosten der Krankenkasse. Der dortige Meister hat mir dann ganz spezielle Einlagen verpasst, die meine Fehlstellung korrigieren und gleichzeitig eine 8mm Unterlage, da mein linkes Bein einen Zentimeter kürzer ist als das rechte. Soll ja schließlich richtig laufen können, besser gesagt marschieren.

Der Orthopäde attestierte mir in der Zwischenzeit, dass ich einen Beckentiefstand links habe, mit s-förmiger Rumpfwirbelsäulenskoliose und durchgemachtem M. Scheuermann. Dieses Antwortschreiben kam ins KWEA und dort befanden Sie, dass der festgesetzte Tauglichkeitsgrad so in Ordnung ist und ich mich auf den Bund freuen darf.

Doch ich hatte noch nicht aufgegeben! Ich hatte am 18.11.2000 einen Widerspruch geschrieben, auf den ich auch am 24.01.2001 Antwort aus München erhielt. Mir wurde die Möglichkeit gegeben, in einem Anhörungsverfahren meine Gründe darzulegen. Sollte ich jetzt nach München fahren? Meine Eltern erklärten sich jedenfalls bereit, mitzugehen. Wie wir aber glücklicherweise Auskunft bekamen, fand das Verfahren am 17.07.2001 in Bamberg statt und so ging dann mein Vater mit, um unsere Lage zu schildern. Das Gespräch war allerdings wenig fruchtbar, es kam nur nochmals deutlich zur Sprache, dass ich etwas merkwürdige Essgewohnheiten habe, d.h. dass meine Ernährung fast ausschließlich aus Fleisch besteht. Weiteres konnte nicht zu unserer Zufriedenheit geklärt werden.

Am 06.08.2001 kam daraufhin ein weiteres Schreiben aus München von der Wehrbereichsverwaltung VI von einer Ärztin, die mich bat, meinen Arzt von der Schweigepflicht zu entbinden, sofern er mir zu meiner speziellen Kostform angeraten hätte. Meine Mutter rief kurz darauf diese Ärztin an und erklärte ihr, dass sie bereits seit Jahren vergeblich versucht, mich auch wieder für Obst und Gemüse zu begeistern, was allerdings immer fehlschlug.

Nach einer intensiven Unterhaltung gab sich die Ärztin zufrieden und versicherte, ihr möglichstes zu unternehmen um in unserem Sinne zu handeln. Ich erhielt dann eine Ausfertigung der Entscheidung im Verfahren um meinen Widerspruch. In diesem stellte die Ärztin fest, dass ich besondere Essgewohnheiten aufgrund Lektüre einschlägiger Fachbücher hätte, dies aber meine Verwendung nicht beeinträchtigen würde und ich deshalb nach wie vor mit dem Tauglichkeitsgrad wehrdienstfähig (2) mit Einschränkungen der Verwendungsfähigkeit für bestimmte Tätigkeiten mit dem Hauptfehler III 42 zu beurteilen bin. Und damit war Schluß.

Es gab nun für mich keine Möglichkeit mehr, ausgemustert zu werden.

Und dafür könnte ich diesen einen Kerl aus meiner Klasse erwürgen, denn er war ungefähr zwei Wochen nach mir bei der Musterung und ist sofort mit dem Tauglichkeitsgrad 5 gemustert worden, d.h. er wurde ausgemustert! Wie hat das dieser verdammt Kerl gemacht? Hat er dem Arzt gesagt, dass seine Augen so strahlen und er wunderschöne Beine hat? Hat er einen Ständer bekommen, als der Arzt ihm zwischen den Beinen rumgegriffelt hat oder was hat der gemacht? Ich werde es wohl nie erfahren.

 
  • Saturday, April 18th, 2009,
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