Ausgeschimpft werden und nicht weglaufen dürfen, ist Folter für Kinder.
Wahrscheinlich ist es auch Folter für jeden, der es erleiden muss. Aber im Augenblick denke ich an die Kinder. Wenn Kinder irgendetwas angestellt haben, dann werden sie für gewöhnlich ausgeschimpft. Das allein ist schon fragwürdig und warum kommt es erst so weit? Das Thema allein füllt Bände und werde ich noch näher beleuchten. Aber jetzt nur einmal zu der Folter beim Ausschimpfen.
Wenn ein Kind ausgeschimpft wird, ist das schlimm für das Kind. Es fühlt sich in diesem Augenblick nicht geliebt, von der Liebe der Menschen, die ihm das Meiste, wenn nicht alles, bedeuten, abgeschnitten. Es fühlt sich wertlos, minderwertig und weiß nicht, wie es sich zu verhalten hat. Am liebsten würde das Kind davonlaufen, in sein Zimmer rennen, die Türe zuknallen und sich unter die Decke verkriechen und weinen.Das allein wäre schon schlimm genug und ist es auch. Denn das Kind, obwohl es vielleicht weiß, dass es sich nicht wünschenswert verhalten hat, kommt mit der Bestrafung nicht klar. Worte können verletzender sein, als alles andere.
Alles, was das Kind will, ist wieder geliebt zu werden. Und sich der Situation, in der es sich nicht geliebt fühlt entziehen. Und zwar so schnell wie möglich. Doch da wird ein Kind geschimpft und DARF sich nicht entfernen. Die Eltern erlauben es nicht. Das Kind muss die Schmährede bis zum Ende erleiden. Es muss sich bis zum Ende alles anhören und darf nicht weglaufen. Es wird gedemütigt, ohne die Chance, etwas daran ändern zu können und ohne die Wahl, fortlaufen zu können. Es muss bis zum Schluß hören, wie wenig es geliebt wird und diese Schimpftirade über sich ergehen lassen.
Wenn das keine Folter für ein Kind ist…
Die Eltern wollen ihr Kind sicher nur auf “den rechten Weg” bringen und wollen “nur das Beste” für ihr Kind. Aber aus dem eigenen Bedürfnis, das, was sie sagen wollen, zu Ende zu sagen, darf das Kind nicht weg. Es muss aus den egoistischen Gründen der Eltern weiterleiden. Wenn das Kind wegläuft müsste den Eltern klar sein, dass die ‘Wirkung’ angekommen ist. Aber die Eltern gehen hinterher, kommen ins Zimmer des Kindes, in den einzigen ‘Schutzraum’, den ‘Rückzugsort’ und machen dort oftmals weiter/fertig. Nicht einmal der einzige Ort, an den sich das Kind zurückziehen kann, bietet Schutz und Sicherheit, wenn schon die Eltern, die dem Kind normalerweise dieses Gefühl geben (sollten), es nicht tun.
Wie verzweifelt kann sich ein Kind in dieser Situation nur fühlen? Wie ungeliebt und elend? Wir alle kennen diese Situation, denn wir alle haben sie schon einmal erlebt. Manch einer erlebt sie sogar heute noch. Selbst Quasi-Erwachsene, die im elterlichen Haus wohnen werden oft gegängelt, solange sie noch von den Eltern abhängig sind.
Das ist unsere aufgeklärte Gesellschaft. Es ist an der Zeit, dass diese Gängelung der Kinder, ja aller Menschen aufhört. Zumindest die nachfolgende Generation (wir!) stehen in der Verantwortung, die Fehler der Vergangenheit nicht zu wiederholen. Wir lernen durch Vorbild – lasst uns neue Vorbilder suchen, damit wir selbst bessere Eltern werden!