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Tage der Angst Teil 4

30. Oktober 2001 – mein letzter Tag in Freiheit. Ich befinde mich auf einer Halloweenparty in Nürnberg bei einer Freundin. Ich bin zusammen mit Thomas runtergefahren und ich hab nen Karton mit Sachen dabei, die ich verkaufen will. Ja, das FinalFantasy VIII T-Shirt findet auch gleich einen Käufer, genauso wie die Oh! My Goddess Bände.

Bezahlen können sie noch nicht sofort, aber am heutigen Abend ist mir so einiges egal. Ab morgen früh bin ich offiziell Soldat! Wir feiern also die Nacht ein bisschen durch, Thomas, ich und Sven sind nicht verkleidet, die Mädchen alle in der Art Gothicvampir. Zuerst waren wir alle im Wohnzimmer und haben geredet, aber zuerst gehen Cathrin und Sonja in die Küche und nach und nach sind alle – außer mir – dort. Ich bleibe im Wohnzimmer sitzen und schaue mit Cathrins Mutter zusammen fern und quatsche. Es läuft Andromeda, die Serie mit ihrem Lieblingsschauspieler.

Es weiß noch keiner hier, dass ich ab heute nacht, 0:00 Uhr auch Soldat werde – genauso wie Sven. Mit dem Unterschied, dass ich Fernmelder werde und er zu den Feldjägern kommt. „Der Sven kommt bestimmt als ein riesiger Muskelberg vom Bund zurück!“ haben sie vorhin gesagt. Ha! Wartet mal, bis ich da zurückkomm. Dann schau ich bestimmt auch nicht schlecht aus und krieg vielleicht auch mal ne Freundin ab. Würd auch endlich mal Zeit werden, schließlich werd ich im Januar 19 und hab immer noch keine Freundin gehabt. Sind bloß noch zweieinhalb Monate bis zu meinem Geburtstag und den darf ich auch noch bei der Bundeswehr feiern. Es gibt nichts, aber auch wirklich gar nichts schöneres, was ich mir vorstellen kann, als Geburtstag feiern beim Bund!

Aber zuerst mal feiern wir hier und die Stimmung ist eigentlich auch ganz gut. Es wird über ganz normales belangloses Zeug gequatscht – wie auf jeder Feier eben.

Aber es wird – natürlich – auch von der Bundeswehr gelabert, denn schließlich ist Sven ab Mitternacht Soldat. Er freut sich auch schon ganz dolle. Er will nämlich gleich mal zwei Monate ranhängen und eine Unteroffiziersausbildung machen, so wie sein Bruder damals. Hört sich gar nicht mal schlecht an. Wenn man sich mit der Bundeswehr anfreunden kann.

Es ist 23:30 Uhr und mir ist gar nicht gut. Ich zeige das nicht, ich tu immer noch gut gelaunt, aber in einer halben Stunde bereits bin ich meiner Freiheit beraubt, bin Soldat. Da fühlt man sich nicht so besonders. Irgendwie vergeht diese verdammte halbe Stunde viel zu schnell. 23:58 Uhr. Wir sitzen alle gemeinsam im Wohnzimmer und die Mädchen werden gleich Sven ‚feiern’.

0:00 Uhr. Schreck. Wir sind ab jetzt offiziell Grundwehrdienstleistende. Es geht grad noch ‚Juhu, Sven, jetzt bist du ein Soldat!’ und ich weiß, dass das auch für mich gilt. Aber ich freu mich da ehrlich nicht so sehr drüber, wie Sven das tut. Es ist jetzt der 01.11.01, eigentlich ein komisches Datum, wenn man es so liest. Zum Glück hab ich noch vier Tage Gnadenfrist mit heute, bis ich zum Dienst antreten muss. Also sich langsam mit dem Gedanken abfinden und noch mit den anderen rumblödeln, so lange es noch geht. Wer weiß, wie viel Gelegenheit ich in den nächsten 10 Monaten dazu haben werde. Nach einer gelungenen Feier und gelegentlichem Pennen im Sessel fahren Thomas und ich wieder nach Hause, er setzt mich ab und fährt heim, in Richtung Ebern. Tja, ich darf jetzt noch drei kurze Tage in Freiheit verbringen, aber Spaß machen die irgendwie nicht.

 
  • Wednesday, April 22nd, 2009,
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