Was kann ich denn machen, um mich ausmustern zu lassen? Ich will nicht zur Bundeswehr. Ein letzter verzweifelter Gedanke, der nicht der Wirklichkeit gegenwärtig ist, dass die Bundeswehr einen schon hat!
Wie kann ich mich drücken? Ein Freund sagte, schluck Aluminiumfolie, wenn die dich röntgen und entdecken so weiße Flecken auf der Lunge, dann wirst du ausgemustert. Hat nichts gebracht!
Blut im Urin. Ich versuche mir in den Finger zu beißen, um einen Tropfen Blut reintröpfeln zu lassen. Klappt nicht. Aber da sind wir ja noch gar nicht.
Noch bin ich VOR der Tür und kann nur raten, was mich erwartet.
Soll ich den Schwulen spielen? Aber ist das nicht schon ausgelutscht, im wahrsten Sinne des Wortes?
Uwaaaah…..! Ich glaub, so kann ich mich nicht verstellen, das kauft mir keiner ab.
Den Rechten spielen? Bring ich nicht.
Mir fällt nichts mehr ein, ich bin am Rande der Verzweiflung. Mein Magengefühl wird ganz flau. Was kann man denn bloß machen, um dem Haufen zu entkommen?
Doch für weitere Gedankengänge bleibt keine Zeit, denn die Tür öffnet sich und der Schatten holt mich zu sich…. .
Ich betrete ein Büro mit einem einzelnen weißen Schreibtisch, drei Stühle: zwei auf meiner Seite und sein Stuhl.
Weiße Vorhänge, Topfpflanzen (um Menschenantlitz zu erwecken, wie im restlichen KWEA (Kreiswehrersatzamt)), Poster an den Schränken, die mir weismachen wollen, wie toll die Bundeswehr ist, Akten auf dem Schreibtisch. Es wirkt steril und kalt. Auch wenn es nicht wirklich so war, so kam ich mir doch vor wie in einem Verhörzimmer, wie es die antisowjetische Propaganda zu Zeiten des Kalten Krieges nicht ungemütlicher hätte darstellen können.
Und dann der „Schatten“: Ein Mann in den Vierzigern mit weißem Hemd und grellgelber Krawatte, die ebenso wenig aufzuheitern vermag wie das aufgesetzte Lächeln. Zumindest für eine Sekunde erschien es so, als HÄTTE er gelächelt. Der Mann ist etwas rundlich, schon kahle Stellen. Sein Gesicht verlangt nach meiner Faust, aber ich darf ihm nur die Hand geben.
Sein ganzes Verhalten schreit mir voller Begeisterung zu:
Ich liiiiiiiebe meinen Job und auf meinem Grabstein wird stehen: Er starb am Schreibtisch aufopferungsvoll den Beamtentod für sein Vaterland.
Ich sitze. Der Stuhl ist noch warm. MEIN GOTT! Was hat er nur mit meinem Vorgänger angestellt?! Ihn mit Haut und Haaren gefressen? Ist er deshalb so beleibt? Ich dachte, den bösen Wolf gibt es nur im Märchen!
Er steigt ein ins „Kreuzverhör“. Ich gebe ihm meinen Musterungsbescheid.