„Naaaaa?! Freuen Sie sich schon auf die bevorstehende Bundeswehrzeit?“ Ja, ebenso, wie ich mich freuen würde, wenn man mir beide Arme abschlägt. Was soll die Frage! Er merkt, dass mich das nicht unbedingt lockert und fängt an zu fragen.
„Bundeswehr oder Ersatzdienst?“ „Bund.“
„10 Monate oder länger?“ (Am liebsten gar nicht!) „10 Monate.“
„Auslandseinsätze oder lieber keine?“ „Letzteres.“
„Sind Sie schwul?“ „Soll ich Ihnen einen Blasen?“ „Werden Sie mal nicht frech!“ „Werden Sie mal nicht anzüglich!“ Naja, die letzte Frage lief nicht so, wie hier beschrieben, zeigt aber gut, was man(n) in der Situation gerade denkt.
Nach ein paar Minuten der mentalen Beeinflussung steht jedenfalls fest, ich mach nur Grundwehrdienst im Inland.
Ich werde durch eine Tür hinter meinem Rücken geschickt und weiß jetzt, wo mein Vorgänger abgeblieben ist: hier sitzen fünf Gestalten, alle in kurzen Klamotten, augenscheinlich Leidensgenossen.
Ich grüße „Hallo!“. Es wird zurückgegrüßt, ich ziehe mir meine kurze Sporthose an und die Hausschuhe, alles, wie es im Vorfeld verlangt wurde. Es dauert. Wir lesen die Zeitschriften, die auf dem Tisch liegen. Natürlich kein politisches oder weiterbildendes Material, sondern nur die „Hauszeitschrift“. Vereinzelt werden Worte gewechselt. Schon interessant, dass da so viele Gymnasiasten sind, die sich gerade auch noch in der letzten Klasse befinden, haben jedenfalls über ihre Facharbeiten gequatscht. Tja, ICH mach an der FOS Bamberg mein Fachabi, werde 2001 fertig und mein Fachreferat – das habe ich schon hinter mir!
Plötzlich eine Lautsprecherstimme, alle werden still: „Herr Kotschenreuther bitte in Labor 1!“ Labor 1! Sind die Gerüchte wahr und hier werden tatsächlich Mutanten hergestellt oder war die Inspiration für Frankenstein das Bamberger KWEA? Züchten Sie hier den Genom-Soldaten der Zukunft? Sind wir alle nur Teil des Planes, den perfekten DNA-Strang zu finden, mit dem der Supersoldat produziert werden kann? Waren die Gebrochenen, die an uns, während wir warteten, vorbeiliefen, bereits gefolterte Wesen, die möglicherweise schon tagelang hinter den Türen der „Labore“ gefangen waren und nun, ihres Verstandes und eines eigenen menschlichen Willens beraubt, als geistig tote Wesen bereits ihre DNA geopfert haben und nun nur noch der Prozedur der Einimpfung des soldatischen Geistes bedurften um somit als blökende Schafe einer Herde beizutreten, die im Namen des Vaterlandes ihre Gedärme zu opfern bereit war?!