April 5, 2009

Musterung Teil 4

Minuten vergingen. Minuten, die wie Stunden erschienen. Der nächste Aufruf: „Herr Schmerbacher, bitte in Labor 1!“ Ich schaute auf meine Uhr. Es waren seit dem ersten Aufruf 15 Minuten vergangen. Das heißt, dass in 45 Minuten meine Zeit gekommen sein sollte! Währenddessen kam ein neuer Leidensgenosse ins Zimmer. Er sieht dumm und unbeholfen aus. Leidend. Aber so sieht jeder aus, der hier hereinkommt. Auch ich.

Es sollte sich bewahrheiten, dass ich eine dreiviertel Stunde später ins „Labor“ gerufen wurde.

Ein etwas älterer Arzt war im Zimmer und relativ freundlich und auch gut aufgelegt. Einer der wenigen hellen Momente dieses Tages. Ich durfte mich zuerst einmal messen lassen und er stellte anschließend mein Gewicht fest. 64 Kilogramm bei 1,83 m Größe.

„Das ist schon ziemlich leicht.“ „Aber ich hab noch kein Untergewicht, oder?!“ Diese Frage war gedacht, um den Arzt auszuhorchen, wie viel ich abnehmen müsste, um wegen Magersucht oder sonst was ähnlichem ausgemustert zu werden. „Ab 62 Kilo sind Sie untergewichtig!“ Haaa! Also nur zwei Kilo abnehmen, dass sollte doch zu schaffen sein, falls sie mich für tauglich befinden sollten! Aber erst mal schaun, was sie noch alles wollen.

Als nächstes wurde die Urinprobe angenommen. Dazu durfte man sogar in ein separates Kämmerchen, in dem eine Luke war, in die man die Probe stellen sollte. Der Arzt gab noch eine Hilfestellung, bevor er aus dem Zimmer ging: „Wenn’s nicht gleich klappt, etwas Wasser über den Arm laufen lassen, dann läuft’s!“ (Dann klappt’s auch mit dem Nachbarn oder was?!) Danke, toller Tip. Ich hab aber vorsorglich was getrunken, damit ich da nicht zu lange verweilen muss. Der Trick mit dem Blut im Urin hat nicht geklappt, ich konnte mir den Finger nicht blutig beißen.

„Keine Drogen oder sonstigen Stoffe im Urin nachzuweisen.“ Hätt ich dir auch sagen können, du Schlaumeier. Aber gut, er muss es ja überprüfen.

Und weiter geht’s, ab ins nächste Labor!

Ich betrete nun den Ort, an dem sich unsagbares Grauen abspielt: das Zimmer des Bundeswehrarztes!

Es gibt im Kreiswehrersatzamt Bamberg zwei Ärzte, die die genaue Untersuchung vornehmen: Einen älteren und stoffeligen Arzt und eine etwas jüngere Ärztin, die noch dazu gut aussehen soll und von der manch einer schon erzählt hat, dass man aufpassen muss, dass man kein Rohr kriegt. Es sollen schon einige wegen sexueller Belästigung der Ärztin eine Anzeige bekommen haben, wird erzählt. Aber sicher ist da nichts.

Jedenfalls hab ich den alten, stoffeligen Arzt bekommen. Der hat erst mal Ruhepuls gemessen, mich zehn Liegestütz machen lassen und dann wieder gemessen. Dann wurde mein Rücken „fachmännisch“ untersucht, hab ja meine alten Befunde mitgebracht und dem Arzt erzählt, dass man mir schon mit 13 gesagt hat, ich hätte ein ZU schlechtes Kreuz für den Bund.

Das sah der aber ganz anders. Verdammt! Meine Chancen, ausgemustert zu werden, schwinden. Dann kam ich hinter den Vorhang! Oh je! Die Sackkontrolle! Er zieht sich seine Gummihandschuhe an und meint „Hosen runter!“ Meine schlimmsten Befürchtungen werden wahr! Er prüft, schaukelt, tastet, gafft, tatscht und lässt mich nach einer knappen Minute endlich wieder die Hosen hochziehen.

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