Jetzt werde ich in eine Liste eingetragen und mir ein Sitzplatz zugeteilt. Jetzt darf ich mich also an den Rechner setzen. Auftrag: Den Anweisungen auf dem Bildschirm folgen, dabei den Kopfhörer aufsetzen, da die Aufgaben auch gleichzeitig vorgelesen werden und natürlich soviel wie möglich richtig beantworten. Ich darf mir sogar EIN ganzes Schmierblatt nehmen, sofern ich das brauchen sollte.
Ich kann also jetzt mit den Aufgaben beginnen. Derweil liest sich der Bedienstete meine Erwartungshaltung an die Bundeswehr durch. Eigentlich sollte ich mich ja auf die Aufgaben konzentrieren, aber ich schau immer mal auf seine Reaktion. Aber andererseits hat er noch mehr Blätter und ich weiß gar nicht mehr, ob er meins schon gelesen hat oder noch macht oder wie auch immer.
Jedenfalls: was waren das für Tests?
Eigentlich ganz einfache Intelligenztests sowie Rechenfähigkeit und sprachlicher Ausdruck.
Wie fällt ein Sack, der aus einem Flugzeug geworfen wird? Fünf mögliche Antworten.
Wie dreht sich die Schraube, wie das Zahnrad, wenn sich C so oder so bewegt?
Dazu ein paar simple Rechenaufgaben, dafür ist das Schmierblatt dann doch gut oder für ein paar andere Notizen. Aber eigentlich bräuchte man es nicht unbedingt. Zeitlimit gibt’s zwar auch, aber ich bin eh schneller fertig. Zwei von den 16 im Raum sind fertig und gehen wieder raus, nachdem sie mit dem Angestellten nochmal geredet haben. So. Bin jetzt auch fertig. Ein paar Tests waren’s zwar schon, aber alles nix Weltbewegendes. Ich hab auf jeden Fall mal nicht absichtlich schlechter gemacht sondern schon echt geantwortet. Schließlich macht man so einen Test nicht alle Tage und es ist schon interessant, wie gut man denn dann tatsächlich ist. Jedenfalls mache ich mich bemerkbar und der Fritze zeigt mir an, dass ich zu ihm hinkommen kann. Er geht mit mir nochmal meine Erwartungshaltung durch.
Also: Zu den Themen Fairness, Gesundheit und Würde weißt mich der Bedienstete darauf hin, dass man während seiner Zeit als Soldat in seinen Grundrechten eingeschränkt ist, aber natürlich nicht menschenunwürdig behandelt wird. Das Thema Essen wird relativ kurz und bündig abgehandelt. Verhungert ist noch keiner, eventuell müssen Sondermahlzeiten direkt vor Ort mit dem Hauptmann abgesprochen werden, der sich der Sache dann annimmt. Und ob die Dritte-Sohn-Regelung greift, kann er nicht beantworten, geht aber nicht davon aus, sonst würde ich ja nicht gemustert werden.
Schon mal toll! Ich darf mich jedenfalls nochmal draußen auf die Stühle setzen und noch ein letztes Mal am heutigen Tag warten, dass mich so ein Wehrdienstverräter, äh….. BERATER(!) „verhört“.
So nehm ich denn Platz und warte – mal wieder. Aber es dauert keine fünf Minuten und ich werde in ein Zimmer geholt. Da bekomm ich nochmal ein Formblatt für die Erstattung meiner Kosten und für etwaigen Verdienstausfall. Ha-ha! Super! Ich bin Schüler, ihr habt mir nen schulfreien Tag beschert, das war soweit auch ganz gut. Wenn’s nicht solange gedauert hätte! Während ich hier drin versauert bin, hatten die anderen schon längst Schulschluss und haben sich nen schönen Tag gemacht! Ich dagegen darf jetzt ziemlich spät, es ist nach 15 Uhr, nach Hause, darf dann noch eineinhalb Kilometer heimlaufen, weil der Bus nicht weiter zu mir fährt, und nicht nur die heutigen Hausaufgaben machen sondern mich sogar noch auf den nächsten Tag vorbereiten! Ach, es ist doch alles…. . Wenigstens bin ich in diesem Büro nach fünf Minuten fertig und die Testergebnisse kann ich dann das nächste Mal erfahren. Fein.