April 19, 2009

Tage der Angst Teil 1

Gut, ich war also tauglich und zwar mit 2. Wir hatten alles versucht, damit ich nicht zur Bundeswehr muss, aber es hatte alles nichts geholfen. Das hatte wenigstens den Vorteil, dass ich für dieses Jahr unterkomme, denn die Fachhochschule, für die ich mich beworben hatte, hatte mich abgelehnt und ich wusste sonst nicht, was ich hätte machen sollen in dem Jahr. Das war insoweit praktisch, ich hatte damit nach Vollendung der zwölften Klasse und dem Erwerb meines Fachabi erst mal zwei Monate Leerlauf bevor ich also eingezogen wurde.

Auf meine Frage im Arbeitsamt hin, ob ich mich denn für diese zwei Monate arbeitslos melden soll, bekam ich als Auskunft, dass das nur für die Rente später mal von Vorteil sein könnte, der Berater es mir aber nicht empfiehlt. Hier ein kurzer Tip: Wer direkt nach der Schule zum Bund muss und vorher ohne Beschäftigung ist, bitte DRINGEND arbeitslos melden. Denn nach meiner Bundeswehrzeit hätte ich Arbeitslosengeld bekommen für die Zeit, bis ich eine Ausbildung beginnen konnte, wenn ich vorher schon arbeitslos gemeldet gewesen wäre. Der Bund wäre hier als Arbeit angerechnet worden und hätte damit Ansprüche für mich gerechtfertigt. So bekam ich nichts und kann dem Berater jetzt auch nichts nachweisen. Aber das hier nur als gut gemeinte Empfehlung.

Jedenfalls hatte ich wenigstens die Hoffnung nach Ebern oder Roth bei Nürnberg zu kommen, meine beiden nächstgelegenen Bundeswehrstandorte. Schließlich heißt es ja, dass man möglichst heimatnah eingesetzt wird und diese beiden Standorte sind jeweils ungefähr 80 Kilometer von mir entfernt.

Doch dann kam am 06.09.2001 mein Einberufungsbescheid. WO bitte schön, werde ich ausgebildet? In MITTENWALD? Nie gehört! Wo soll das denn sein? Antwort: Ungefähr 3 Kilometer vor der österreichischen Grenze. Das heißt aus dem Norden Bayerns an das südlichste Ende! Heimatnah? 350 Kilometer?! Ha! Das kanns doch wohl nicht sein! Doch meine Eltern nehmen’s schon relativ gelassen und freuen sich.

‚Du kommst in die Berge’, ‚Was, soweit runter?’, ‚Naja, hast doch eine ganz tolle Landschaft da unten’ und dergleichen bekomme ich zu hören. Auch all unsere Bekannten oder Nachbarn, die erfahren, dass ich nach Mittenwald komme, freuen sich ‚mit mir’! Ja, Mittenwald ist schon klasse – WENN MAN BERGE MAG! Ich dagegen HASSE Berge, Wandern und hab außerdem Höhenangst. Also ideale Voraussetzungen für die Ausbildung da unten.

Mein Vater hat sogar einen Faltplan in Scheckkartengröße von Mittenwald! Meine Güte! Als wäre es schon vor 13 Jahren, denn mindestens so alt ist dieser Faltplan, bestimmt worden, dass ich mal nach da unten komme! Das hält doch der stärkste Mann nicht aus! ‚Wo kommt dein Sohn hin?’ ‚Nach Mittenwald’ ‚Ach so, zu den Mulitreibern!’. So lief fast jedes Gespräch ab. Aber nein, ich komme nicht zu den Mulitreibern, die sind zwar da unten, aber da ist auch eine Grundausbildungskompanie für Fernmelder. Und DA komme ich rein.

Jetzt musste ich mich also damit abfinden, dass ich in die Berge komme, 687 Höhenmeter Unterschied! Das ist doch unmenschlich! Mittenwald liegt auf 923 Metern. Oh du mein Gott! Ich werde die Bundeswehr noch lieben, ich weiß es jetzt schon. Ich komme in die Berge und das auch noch im Winter. Und dann noch kurz vor Weihnachten. Wer weiß, ob ich da dann überhaupt zuhause sein werde oder ob die mich unten behalten. Mein Vater sagt schon, es müssen Sonderdienste geschoben werden, auch während der Feiertage. Und es ist ja nicht auszuschließen, dass gleich oder ganz besonders Soldaten aus der Grundausbildung dafür herangezogen werden. Meine Güte, was werde ich Spaß haben.  

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