8./Gebirgsstabs- und Fernmeldelehrbataillon 8
Kompaniechef
Sehr geehrter Herr Schertel,
am 05.11.01 werden Sie in die 8. Kompanie des Gebirgsstabs- und Fernmeldelehrbataillons 8 einberufen und treten dort Ihren Dienst an.
Ab diesem Zeitpunkt werde ich Ihr Kompaniechef sein und möchte Sie auf diesem Wege bereits vor Ihrem Dienstantritt begrüßen.
Sie werden einen Ihnen bislang unbekannten und neuartigen Lebensabschnitt beginnen. Die ersten sieben Wochen werden fordernd und körperlich anstrengend sein. In der Allgemeinen Grundausbildung werden Sie das „Handwerk“ eines Soldaten erlernen. Im Anschluß werden Sie eine Spezialgrundausbildung absolvieren und zum Fernmeldesoldaten ausgebildet. In der zweiten Hälfte Ihrer Wehrdienstzeit werden Sie dann überwiegend in den Fernmeldetrupps eingesetzt, wobei Sie an verschiedenen Übungen teilnehmen und feldgemäße Telefonverbindungen erstellen.
Sie erwartet eine erlebnisreiche Zeit mit guter Kameradschaft und interessanter Ausbildung, in der Sie die Eigenheiten der militärischen Gemeinschaft akzeptieren müssen. Wir werden Ihnen Hilfestellung dabei geben und sind schon intensiv mit der Vorbereitung beschäftigt.
Ich möchte Ihnen im folgenden noch ein paar nützliche Tips an die Hand geben, welche die Erfahrungen vergangener Einstellungstage gezeigt haben. Es ist für Sie und für uns von großem Vorteil, wenn Sie am Einstellungstag spätestens bis 14.00 Uhr eintreffen, da bereits an diesem Tag etliche organisatorische Maßnahmen ablaufen, die ansonsten bis spät in die Nacht dauern würden. Denken Sie daran, dass in den Alpen wetterbedingt nicht immer optimale Straßenbedingungen herrschen und fahren Sie zeitgerecht los, damit Sie gesund und pünktlich ankommen. (..)
Entgegen der Information Ihres Einberufungsbescheides können Sie private Sportschuhe mitbringen. Ihre dienstliche Bekleidung wird nicht gleich in der ersten Tagen ausgegeben, deshalb empfehle ich Ihnen der Jahreszeit entsprechende Zivilbekleidung, mitzubringen.
Aufgrund der hohen Ausbildungsdichte ist es leider erforderlich, dass Sie an den ersten Wochentagen und am Samstag, den 10.11.2001 (ist bis Mittag Dienst vorgesehen) teilweise längere Dienstzeiten in Kauf nehmen müssen. Dafür ist voraussichtlich an den darauffolgenden Wochenenden sowie am 30.11.01 kein Dienst (Ausnahme Sonderdienste) zu leisten.
Mit freundlichen Grüßen
Wäscher, Hauptmann
Tja, damit wusste ich schon mal Bescheid. Das erste Wochenende kann ich mich auf längeren Dienst freuen. Toll. Das heißt also im Klartext, dass ich wahrscheinlich zwei Wochen am Stück da unten bin, da sich die Heimfahrt wohl kaum lohnen würde.
Ja, was macht man jetzt so alles mit seiner freien Zeit bis man seinen Dienst antreten muss?! Sind ja – zum Glück – schon noch ein paar Tage.
Ich hab getan, was wohl jeder getan hätte, der nicht noch kurzfristig irgendwo angestellt wird: 1. Zeit für mich, sprich faulenzen; 2. Soziale Kontakte pflegen, d.h. um die Häuser ziehen; 3. zuhause helfen, anders ausgedrückt arbeiten; 4. Hand-Augen-Koordination verbessern also Videospiele; 5. Den Bund verfluchen.
Nebenbei hab ich noch mitbekommen, dass auch mein lieber Freund Sven zeitgleich mit mir eingezogen wird. Mit einem Unterschied: er wird Feldjäger. Das sagte mir zu dem Zeitpunkt noch nicht viel, aber dafür sollte ich es später umso hämischer erfahren.
In der Zeit wollte ich nicht, dass jemand aus meinem Freundeskreis mitbekommt, dass ich zur Bundeswehr gehe. Ich hab’s niemandem erzählt. Die sollten es alle erst erfahren, wenn’s rum war. Ich hab nichts verraten. Auch nicht auf der Halloweenfeier.